Weltcup

Weltcup München: "Die Finalteilnahme ist mein Ziel Nummer eins!"

20.05.2026 11:15

Maximilian Dallinger (Freising) gewann im November 2025 sensationell den Weltmeister-Titel mit dem Luftgewehr. Nun tritt der 29-Jährige beim Heim-Weltcup in München (24. bis 31. Mai) nicht mehr als Jäger, sondern als einer der Favoriten an die Schießlinie. Wie er damit umgeht, wie er den Weltcup in München sieht und mehr verrät er im Interview.

Foto: Lisa Pickl / Maximilian Dallinger freut sich auf den Heim-Weltcup auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück.
Foto: Lisa Pickl / Maximilian Dallinger freut sich auf den Heim-Weltcup auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück.

Du trittst als Weltmeister beim Heim-Weltcup an. Ist das etwas Besonderes für dich?
Dallinger: „Ich glaube, von außen betrachtet mehr als von mir aus. Die Zuschauer erwarten wahrscheinlich, dass ich als Weltmeister in das Finale komme. Ich bin an dem Tag einer von vielen in der Drucklufthalle und versuche alles zu geben, sei es als Weltmeister oder nicht, so war es auch in den Jahren zuvor. Es gibt einen sehr großen Pool an Kandidaten, die vorne mitmischen. Der Weltcup München ist etwas Besonderes, aber nicht in der Form, dass ich mit dem WM-Titel dort antrete.“

Lieber übermotiviert als untermotiviert!

Maximilian Dallinger über seine emotionale Herangehensweise

Foto: Lisa Pickl / Ziel Luftgewehr-Finale: Weltmeister Maximilian Dallinger will vor Freunden und Familie auf dem Heimstand unbedingt in das Finale.
Foto: Lisa Pickl / Ziel Luftgewehr-Finale: Weltmeister Maximilian Dallinger will vor Freunden und Familie auf dem Heimstand unbedingt in das Finale.

Besteht die Gefahr, dass du übermotiviert in den Wettkampf gehst, weil du es besonders gut machen möchtest?
Dallinger (lacht): „Lieber übermotiviert als untermotiviert. Man benötigt die richtige Einstellung für jeden Weltcup. Es wird mit Sicherheit im Wettkampf die Situation kommen, in der man merkt, jetzt bin ich ein bisschen drüber und dann wieder drunter. Aber das ist bei allen Wettkämpfen so, es gibt keinen Wettkampf, bei dem man mit gleichbleibendem Erregungsniveau durchfährt. Es ist immer eine dauerhafte Aufgabe, sich zu regulieren. Das ist ein wiederkehrendes Schauspiel im Wettkampf und die Haupt-Challenge. Ich merke aber, dass ich im Training tendenziell schlampiger bin als im Wettkampf – dort bin ich einen Tick konsequenter. Ich mache dort deutlich weniger „dumme“ Schüsse.“

Welche Bedeutung hat der Weltcup für dich?
Dallinger: „Der Saisonhöhepunkt ist natürlich die WM, auf der es Quotenplätze gibt. Der Weltcup München ist ein Zwischenschritt, der ein super Maßstab ist, um den aktuellen Stand abzuchecken: Wo stehe ich? Wo die anderen? Gibt es neue Athleten?“

Gerade im Druckluftbereich sind die Asiaten - vor allem Chinesen, Inder und Koreaner - sehr stark und dominieren. Hast du eine Erklärung dafür?
Dallinger: „Das ist eine gute Frage. Indien sehe ich nicht mehr so wie vor ein paar Jahren, Korea eher im Luftpistolenbereich. Wir wissen aus Gesprächen, dass China und Indien eine andere Linie fahren, was den Nachwuchs betrifft. Zum einen schöpfen sie aus einer ganz anderen Masse, zum anderen genießt der Schießsport eine ganz andere Aufmerksamkeit, Indien beispielsweise mit Olympiasieger Abinav Bindra. Das sieht man z.B. auch auf Social Media. Der Weg, den wir in Deutschland gehen, speziell auch, was den Bereich Lichtgewehr betrifft, sehr gut und geht in die richtige Richtung. Man fördert die Jungen von Klein auf und lernt den Schießsport von der Pike an. Vor allem hat man sie früh dabei und verliert sie nicht an andere Sportarten. Deshalb würde ich den Weg des Lichtschießens auf jeden Fall forcieren, um zukünftig deutsche Athletinnen und Athleten erfolgreich zu sehen.“

Ich würde den Weg des Lichtschießens auf jeden Fall forcieren!

Maximilian Dallinger über die Möglichkeit, junge Schützen frühzeitig zu fördern

In München wird stets sehr hochgeschossen. Was muss man auf die Scheibe bringen, um ins Finale zu kommen?
Dallinger: „Ich glaube, dass man beim Luftgewehr 633 Ringe für das Finale benötigt, einen 10,5er Schnitt also, bei den Frauen braucht man evt. noch mehr. Im Kleinkaliber-Bereich hängt es vom Wetter ab, aber ich würde auf 592 tippen bei Frauen und Männern – unter 590 Ringe wird da nichts gehen.“

Zuletzt fand die Kleinkaliber-EM in Osijek/CRO statt – ohne dich! Wie weh tat das und wie sehr hast du dich über die Erfolge deiner Teamkollegen gefreut?
Dallinger: „Es war schon im vergangenen Jahr so, dass ich mich schwertat im Kleinkaliber, meine Leistungen umzusetzen. Zumal ich bei einer EM nicht nur dabei sein möchte, sondern auch um Medaillen kämpfen – und das wäre nicht realistisch gewesen. Ich habe keine große Träne vergossen, die drei anderen waren in der Qualifikation besser. Ich habe die Zeit genutzt, um die ein oder andere Baustelle im Kleinkaliber zu bearbeiten. Die letzte Luftgewehr-EM, bei der ich nicht dabei war, war die, aus der ich am meisten gelernt habe, weil ich die Zeit gut genutzt habe. Natürlich habe ich alles verfolgt und habe mich riesig gefreut, speziell wie unsere Frauen performt haben. Nele (Stark, Anm. d. Red.) als neue Europameisterin, das war ein absoluter Wahnsinn, was sie stehend abgerissen hat; Lisa (Grub, Anm. d. Red.) hat lange dafür gearbeitet, wieder dahinzukommen, wo sie schon einmal war. Ein Stück Kuchen oder ein Eis geht beim Weltcup in München auf meine Rechnung zu Ehren der EM-Medaillen.“

In den Luftgewehr-Finals wird mit einer Zielverfolgung geschossen, d.h. die Zuschauer in der Halle und im Livestream können sehen, wie gezielt, gewackelt und abgedrückt wird. Was hältst du davon?
Dallinger: „Ich finde es superspannend und interessant für die Zuschauer zu sehen, was da passiert. Weil alle glauben, in einem Finale wäre es so ruhig und kontrolliert, weil wir so „Maschinen“ sind. Deshalb wir der eine oder andere erstaunt sein, dass es ähnlich unruhig ist wie bei anderen, das Schießen ist einfach eine Timingfrage. Vielleicht sieht man auch komische Zielannäherungen, ich komme z.B. auch aus einem größeren Korridor zum Ziel, als viele vermuten. Der Erfolgsgarant ist der, dass man sich bewusst sein muss, zu was man in der Lage ist, auch wenn man nicht nach Lehrbuch schießt. Ich lasse mich überraschen und mich interessiert auch, was die anderen machen. Deswegen finde ich es mega gut und superspannend, auch wenn der Sportler vielleicht etwas gläserner wird.“

Ich finde es superspannend und interessant für die Zuschauer!

Maximilian Dallinger über die Zielverfolgung bei den Luftgewehr-Finals

Gibt es weitere Dinge, die du gerne ändern/sehen würdest, um den Schießsport noch attraktiver zu machen?
Dallinger: „Die ISSF hat in den vergangenen Jahren oft die Regeln geändert, die oftmals nicht so einleuchtend für Sportler und Trainer waren. Es wäre sinnvoll, sich auf Regeln zu einigen, die dann Bestand haben, damit man sich an das System gewöhnen kann. Wir sind keine actiongeladene Sportart wie 100m Sprint oder Turmspringen. Ich glaube, wir können uns viel vom Darts abschauen. Das, was die Zuschauer anzieht, was Leute fasziniert, ist einfach Show drumherum. Vielleicht ist es für den Sportler etwas unangenehm, wenn im Hintergrund Halligalli ist, aber wenn die Sportart noch attraktiver werden will, dann muss in diesem Bereich etwas passieren. Es gibt den bekannten und passenden Spruch: Man muss mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit.“

Was sind deine Ziele in der Woche?
Dallinger: „In erster Linie natürlich der Luftgewehr-Wettkampf und dort die Finalteilnahme – dort kann dann viel passieren. Das vor heimischem Publikum an meinem Heimstand zu erleben, wäre ein Highlight und ist ganz klar das Ziel Nummer eins. Im Kleinkaliber starte ich im RPO (Ranking Points Only, Anm. d. Red.), da will ich wieder Selbstvertrauen aufbauen. Das Kniend war immer ein kleiner Stolperstein zuletzt, liegend und stehend war immer okay. Dann schieße ich noch das Luftgewehr Mixed, wenn wir da ins Finale kämen und um die Medaillen schießen, wäre es der Hammer und für das heimische Publikum wünschenswert. Und dann kommt noch das Hauptziel von unserem Bundestrainer dazu: Spaß haben!“

Pressegespräch
Am Dienstag, 26. Mai, um 11.00 Uhr lädt der internationale Schießsport-Weltverband ISSF zu einem Pressegespräch in die Finalhalle auf der Olympiaschießanlage ein. Mit dabei sind dann ISSF-Präsident Luciano Rossi, DSB-Vizepräsident Sport Volker Kächele sowie Sportler aus Deutschland und dem Ausland. Interessierte Kollegen melden sich bitte per Mail bei Juliana Daguano von der ISSF an.

Livestreams
Das Luftgewehr-Finale der Männer sowie das Finale im Dreistellungskampf der Frauen sind im Livecenter von BR24Sport in der ARD Mediathek, im Web, in der BR24 App oder im HbbTV des BR Fernsehen direkt über den gelben Knopf auf der Fernbedienung zu sehen. Alle anderen Finals werden live auf Sporteurope.TV gestreamt.

Das deutsche Team in München
Gewehr: David Koenders (Neubiberg), Max Ohlenburger (Idstein), Maximilian Ulbrich (Wilzhofen), Maximilian Dallinger (Freising), Daniel Bühlmeyer, Hanna Bühlmeyer (beide Weiltingen), Lisa Grub (Weingarten), Anna Janßen (Kevelaer), Nele Stark (Güglingen), Hannah Steffen-Dix (Ohlweiler), Larissa Wegner (Mannheim), Lea Ruppel (Herbstein)
Pistole: Josefin Eder (Müllrose), Monika Karsch (Regensburg), Doreen Vennekamp (Ronneburg), Michelle Skeries (Potsdam), Svenja Berge (Bad Camberg), Susanne Neisinger (Wien), Sarah Tauermann (Grasleben), Andreas Köppl (Lampenricht), Oliver Geis (Bad Camberg), Emanuel Müller (Pfullingen), Florian Peter (Obertshausen), Fabian Otto (Heringen), Christian Reitz (Regensburg), Robin Walter (Reichenbach), Paul Fröhlich (Hitzhofen), Michael Schwald (Lörrach)
Betreuer: Wolfram Waibel, Claudia Verdicchio-Krause, Detlef Glenz, Marco Hilger, Sven Martini, Sandro Schrüfer, Steffen Jabin, Thomas Zerbach, Sandra Reitz, Marco Spangenberg, Hans-Jörg Meyer, Victoria Nolte, Benedikt Schuster, Marco Kleer

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